SAALPLAN schließen »
schließen »
 

BERNHARD EDER (AT)
14.05.2019

Foto: Nadine Schachinger

BERNHARD EDER (AT)

http://bernhardeder.net

+ Special Guest:
PETER PIEK
http://www.peterpiek.com

Da war dieser junge Mann – hagerer Typ, verletzliche Erscheinung, leicht scheuer Blick –, und er ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Schon einige Jahre her. Sieben Jahre, um genau zu sein. BERNHARD EDER, so hieß dieser Mann, hatte gerade sein Album „Post Breakup Coffee“ herausgebracht. Ich erfuhr erst später, dass es bereits sein viertes veröffentlichtes Werk unter eigenem Namen war, und dass er da bereits eine Vorgeschichte mit einer Band mit dem leicht fragwürdigen Namen „Wa:rum“ hatte. Seltsam: so jung – und schon so lange unterwegs? Entschuldigen Sie, dass ich die abgegriffene Metapher bemühe (und in Folge dann auch ein Quantum Pathos), aber, ja, ich ahnte, dass es eine Reise war. Eine Reise zum Wesenskern der Musik, zum Zentrum des Universums, zum eigenen künstlerischen Ich. Und ich ahnte vage, dass ich einsteigen würde in Eders fragiles Vehikel und diese Reise begleiten. Zumindest ein Stück.

Und hier sitze ich heute und halte ein neues Album in Händen. Das siebente. Es ist jenes Album geworden, dass ich mir von Eder gewünscht habe (ohne dass wir am Weg dahin je darüber ein Wort verloren hätten). Es heisst „Reset“ und dieses Detail ist wohl das einzige, wo ich mit anderen einen kleinen Schubser gesetzt habe, denn der Urheber dieser Kollektion von gerade einmal acht Stücken wollte es zunächst nicht so nennen. Aber fiele Ihnen ein besserer Titel ein für ein Album, das tatsächlich eine Zäsur, eine Neudefinition, ein Reset ist?

Bernhard Eder war bislang fast die idealtypische Verkörperung des Singer/Songwriter-Bildes, das wir längstens seit Bob Dylan vor unserem geistigen Auge haben. Wie aus dem Geschichtsbuch: Typus vergeistigter Künstler, zerschlissene Hose zu abgewetzter Jeansjacke, schwarzer Gitarrenkoffer samt Inhalt. Das steht ihm gut, und das ging eine schöne Zeitlang gut. Nicht umsonst verstieg sich der „Rolling Stone“ zur Anmerkung, „der Songwriter-Pop der Stunde kommt aus Österreich!“

Aber es gerann zum Klischee. Und wurde – nein, langweilig wurde es nicht. Denn da waren immer wieder denkwürdige, zutiefst berührende, in sich selbst und seinem Tun (und Lassen) ruhende Live-Auftritte. Da waren kleinere und größere Songtreffer, die man z.B. auf FM4 oder Radio Eins hören konnte – und die in einer besseren Welt wirkliche Hits geworden wären. Ich sage nur: „Turn On“! Und da waren auch sensible Aneignungen der halben Pop-Historie, versammelt auf dem 2016 erschienenen Album „Remake“, das von Depeche Mode bis Radiohead, von David Bowie bis zu den Pet Shop Boys vor großen Namen nicht zurückschreckt. Dass dann auch noch ein 10 Inch-Vinyl mit weiteren, live eingespielten Coverversionen unter dem Titel „Remodel“ erschien, war nur folgerichtig. Dazu muss man gar nicht Roxy Music studiert haben. Aber es hilft.

Nun also „Reset“. Ein Neustart. Welcher Natur? Eine komplette Redefinition? Ja und nein. Aus dem „Spezialisten für gefühlvoll-ruhiges, zumeist reduziert angelegtes Musikgut“ („Falter“) ist kein zackiger Post-Punk-Rüpel geworden. „Reset“ ist dennoch ein Dokument eines ästhetischen Wandels – dem vom traditionellen Singer/Songwriter zum experimentierfreudigen Multiinstrumentalisten. Im Gegensatz zu den bisherigen Alben sind die Songs allesamt auf alten Heimorgeln, einem Pocket Piano oder basierend auf Samples entstanden. File under Electronica? Die bis dato omnipräsente Gitarre rückt jedenfalls weit in den Hintergrund. Oder ist völlig verschwunden.

Zudem wurden Elemente von einigen Songs in den letzten zwei Jahren für Theaterproduktionen verwendet – u.a. am Volkstheater Wien, Max Reinhardt Seminar oder Landestheater St. Pölten, wo Eder Musik und Sounddesign für diverse Inszenierungen beisteuerte. Ob „Reset“ nur ein kurzer Haken ist, eine launige Episode oder möglicherweise ein markanter Wendepunkt in seiner künstlerischer Karriere – darauf vermag ich Ihnen keine Antwort zu geben. Bernhard Eder wahrscheinlich auch nicht.

Wichtiger erscheint (und da fällt mir eine Prognose leicht): dieses Album ist ein geschlossenes, ein überzeugendes Werk. Eines, das bleiben wird. Eine Konzentration auf und von Schönheit. „Reset“ hat, lässt man sich darauf ein, alles, was den inneren Melancholiker in uns zutiefst jauchzen lässt. Stücke wie „Hell“ (samt verstörendem, allegorisch als Stop-Motion-Puppenspiel inszeniertem Video), „Aliens, pixelated“ oder „The Last Dance“ fügen sich zu einem dunklen, aber zugleich hell strahlenden Reigen. Bernhard Eders Stimme, sein vielleicht größtes Asset, ist das verbindende Element. Kurzum: „Reset“ gibt uns allen die Chance, einen Künstler neu zu entdecken. Anders, intensiver, anmutiger, mutiger als je zuvor.
(Walter Gröbchen)

 

 

 

Event auf den Merkzettel

Tickets

Datum / Beginn Location Ort     Stamp
2019-05-14Di 14.05.2019 20.00 Uhr Monarch Berlin   Tickets ab 10,00 €
Tickets
BERNHARD+EDER+%28AT%29|2019-05-14|20:00:00

Die angegebenen Preise sind Kartenendpreise inkl. gesetzl. MwSt., inkl. Vorverkaufsgebühr, ggf. Bearbeitungsgebühr, bzw. Ticketsystemgebühr zzgl. Versandkosten.


Weitere Events aus Alternative / Independent
Jesse Mac Cormack

Jesse Mac Cormack

31.05.2019

Jesse Mac Cormack

31.05.2019 - 20.00 Uhr
Berlin: Privatclub

tickets
Jonathan Bree

Jonathan Bree

Verlegt ins LIDO! Karten bleiben gültig!

06.06.2019

Jonathan Bree

06.06.2019 - 20.30 Uhr
Berlin: Lido

tickets
DETROIT COBRAS

DETROIT COBRAS

11.11.2019

DETROIT COBRAS

11.11.2019 - 20.00 Uhr
Berlin: Lido

tickets
WAND

WAND

30.05.2019

WAND

30.05.2019 - 21.00 Uhr
Berlin: Privatclub

tickets
Varg, Nachtblut & Ektomorf

Varg, Nachtblut & Ektomorf

Wolfsfest Tour 2019

26.10.2019

Varg, Nachtblut & Ektomorf

26.10.2019 - 18.15 Uhr
Berlin: Columbia...

tickets